Die „Rufus“-Reihe soll jeder verstehen und genießen können, Jugendliche und Erwachsene, Studierte und Nichtstudierte. Wer sich im Roman auf fremde Welten einlässt, der wird auf unterhaltsame Weise ganz automatisch kennenlernen, was die damalige Zeit so alles zu bieten hatte - und lernt beim Lesen wie von selbst. Alles so authentisch und historisch korrekt wie möglich zu erzählen und dabei spannend zu bleiben, das ist mein Ziel.
Die „AMORES - Die Liebesleiden des jungen Ovid“ sind dagegen nicht immer ganz jugendfrei (wie auch die Originalverse Ovids und seiner Zeitgenossen). Der Laie kann sich über die „moderne“ Sprache & Handlung freuen, der Fachmann über zahlreiche Anspielungen und intertextuelle Scherze.
Auf dem Blog zeige ich einen Blick hinter die Kulissen. Dabei gebe ich auch Hintergrundinformationen über Politik und Alltagsleben der späten Republik und frühen Kaiserzeit in Rom und einiger Kelten- und Germanenstämme.
Feste Probeleser aus verschiedensten Altersgruppen haben bereits die ersten Bände gelesen. Die Rückmeldungen setze ich um. Sehr gute Feedbacks kamen dabei nicht nur von Universitätsprofessoren und anderen Fachleuten sondern gerade auch von Schülerinnen und Schülern - vielleicht demnächst auch von dir? Gerne nehme ich jede gute Anregung auf (Rufus.in.Rom@gmail.com)...

Archäologie

Stratigraphische Grabung, Fundschichten
Fundschichten (Gerlinger auf einer Grabung)
            Und woher man etwas über die Kelten und Germanen weiß? Schriftlich haben sie nichts hinterlassen, also braucht man die Archäologie, die „Lehre des Alten“. Wie wird dabei vorgegangen? Da sich die Archäologie mit der Quellengattung Überrest beschäftigt, wird dabei meistens gegraben, nicht umsonst wird sie scherzhaft „Spatenwissenschaft“ genannt. Bei einer stratigraphischen Grabung hilft einem die Fundschicht. Das ist so ähnlich, wie wenn längere Zeit niemand den Abwasch gemacht hätte:

Fundschichten-Modell archäologischer Stratigraphie einer Spüle
"Fundschichten" bei ausbleibendem Abwasch
Jeder tiefer ein Gegenstand liegt, desto älter ist er. Sollte jemand zufällig eine archäologische Entdeckung machen, bitte NIE EINFACH AUS DEM BODEN HOLEN!!! Man zerstört sonst wertvolle Informationen und ohne gute Dokumentation sind die meisten Funde wissenschaftlich gesehen wertlos. Am besten benachrichtigt man schnellstmöglich das zuständige Denkmalamt. Die Arbeitsschritte richten sich normalerweise nach folgendem Ablauf: Suchen, Freilegen, Dokumentieren (der wichtigste Arbeitsschritt!), Bergen, Restaurieren, Wissenschaftlich untersuchen, Präsentieren. Beim Suchen hilft die immer fortschrittlicher werdende Luftbildarchäologie, das Freilegen wird aus Kosten- und Zeitgründen billigen Arbeitskräften oder ehrenamtlichen Ausgräbern überlassen (zuallermeist ohne Studium der Archäologie).
            Die Archäologie hat inzwischen auch zahlreiche Nachbar- und Hilfswissenschaften an ihrer Seite wie die Archäobotanik, die Archäozoologie, die Unterwasserarchäologie etc. Hier ein konkretes Beispiel, wie man selbst über die Nutzung des Umlandes von einzelnen Siedlungen der Nordvölker Schlüsse ziehen kann (aus einem Artikel des Kataloges der letzten Keltenausstellung, dem Artikel → Kreuz 2012, S. 80): In welchem Umfang und wann bewirtschaftete eine Keltensiedlung ihr umliegendes Grünland? Dafür schaut man sich die mineralisierten Pflanzenfunde an. Es tritt eine Mineralisierung im Zusammenhang mit hohen Phosphatkonzentrationen bei der Aufstauung von Vieh (Ställe, Misthaufen) ein. Wenn Vieh innerhalb der Siedlungen auf engem Raum zusammenkommt, müssen auch die Grünlandflächen bewirtschaftet werden: Durch die Stallhaltung wird ganzjährig mehr in den Siedlungen verfügbares Futter benötigt (vor allem im Winter), in den Ställen gelagert und schlägt sich später als erhöhte Phosphatkonzentration in den Bodenproben nieder.
            Aber auch für die Römerzeit ist die Archäologie eine für alle Lebensbereiche sehr aussagekräftige Informationsquelle. Will man z.B. wissen, wie und was die Römer essen und trinken, so kann man auf einerseits auf antike Texte und Rezepte zurückgreifen, die bis heute überliefert sind. Richtig lebendig wird das Bild aber erst, wenn man die Texte mit den Funden zusammenführt und ergänzt. Worüber kein überlieferter Autor berichtet, findet sich in großartigen und farbenprächtig erhaltenen Wandmalereien, von denen nicht wenige zeigen, wie Speisen serviert wurden. Die Römer haben große Freude, ihr Wohnambiente mit malerischen Darstellungen auszustatten, die dem Essen und Trinken, Bankett und genießerischem Frohsinn gewidmet sind (Gerlach 2001, S. 31). In Pompeji und Herculaneum findet sich neben mythischen Szenen eine Fülle von Stillleben, in denen auch einfache Dinge wie Brot, Fisch, Feigen, aber auch Drosseln, Pfauen, Hasen, Fische, und anderes Seegetier verewigt werden, Silbergeschirr wie einfacheres Speisegerät, lebendige Szenen von Abendgesellschaften und Gelagen. Was die Archäologen an Zeugnissen der Architektur, bildenden Kunst und Gebrauchsgegenständen ans Licht gebracht haben bietet schon ein überaus detailreiches und lebendiges Bild der Ess- und Trinkkultur, hinzu kommen nicht nur Spuren von allerlei Lebensmitteln sondern z.T. auch recht gut konservierten Resten aller Art wie Knochen, Getreidekörner, Obstkerne, Oliven, Datteln, Feigen, ganze Brote, Eierschalen etc. (ebd., S. 31-32), aus der Unterwasserarchäologie gar 500 pralle Amphoren mit Fischkonserven eines einzigen Schiffes (Sardellen in Salzlake und Thunfisch in Öl). Die Magazine von Pompeji bergen diese Funde kistenweise doch auch an allen anderen Grabungsorten des römischen Reiches kann man sie finden: Im Boden, in Abfallgruben, an Tonscherben von Koch- und Küchengeschirr, in Amphoren und Vorratsgefäßen für Getreide, Honig und Öl, an eisernen Gerätschaften zum Hantieren in Küche und Herd, an Einrichtungen und Geräten wie Mühlsteinen und Herden.
            Die Fortschritte der Archäobotanik und Archäozoologie können feinste Partikel organischer Stoffe nicht nur ausfiltern und Bestimmen, sondern liefern auch genaue Daten über Pollenanalysen, Kerne etc. bis hin zum Schlachtalter der Tiere, woraus sich Rückschlüsse auf die Verwendungsgewohnheiten der Tiere ableiten lassen (ebd. S. 32). Über die Strontiumanalyse kann bei Zahn- und Knochenfunden die Herkunft von Menschen und Tieren bestimmt werden, da regional variierende Isotope kleinster Strontiummengen im Körper eingelagert werden. Zahnschmelz wird nicht umgebaut, deshalb gibt das Isotopenverhältnis dort die Ursprungsgegend an, in der man aufgewachsen ist, die Knochen zeigen den letzten Stand an. Über den Vergleich kann angegeben werden, ob das Fundstück heimisch war oder einwanderte.

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